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Top-Thema = Das geht jeden Reiter etwas an!
ES WAR EIN PRESTIGEOBJEKT:
Auf dem rund 70 mal 70 Meter großen Reitplatz am Vermarktungszentrum
in Vechta sollten die Oldenburger Elitepferde für Auktionen
und Verkaufstage den letzten Schliff erhalten. Jetzt, zweieinhalb
|ahre später, bietet sich ein desolates Bild: tiefe Löcher,
in denen das Wasser steht, hier ein Büschel Gras, dort
ein Kiefersämling. Kein Huf darf den Platz mehr betreten,
er ist gefährlich für Pferde und vielleicht auch für
Reiter. Das Wort ,,Umweltskandal" liegt in der Luft.
Der Oldenburger Verband hat beim Landgericht ein ,,Beweisfeststellungsverfahren"
beantragt, um den Zustand des Boden unabhängig prüfen
zu lassen. Der Boden wurde 2008 als ,,Multifunktionsplatz''
angelegt, folgend den gemeinsam von der Deutschen Reiterlichen
Vereinigung (FN) und der Forschungsgemeinschaft für Landschaftsbau
und Landschaftsschutz (FLL) herausgegebenen ,,Empfehlungen für
Planung, Bau und Instandhaltung von Reitplätzen im Freien":
in drei Schichten, Schlacke, Trennschicht und Tretschicht.
Doch schon nach wenigen Monaten erwiesen sich die ,,Empfehlungen"
alles anders als empfehlenwert: Der Boden war tief und stumpf
und damit gefährlich für Sehnen und Gelenke der Pferde.
Nun wurden Vliesstücke aufgebracht, ein Material, das im
Straßenbau unter dieTeerdecke gelegt wird. Es ist reißfest
und witterungsbeständig, und damit für den Straßenbau
geeignet. Vom Sächsischen Textil-Forschungsinstitüt
in Chemnitz wurde das Material fur unbedenklich erklärt,
obwohl in mehreren Proben Formaldehyd gefunden wurde, eine giftige
krebserregende Chemikalie. Das Abriebverhalten des Materials
wurde gar nicht untersucht. Darauf kommt es beim Reitplatzbau
aber an. Dr. Cornelia Dreyer-Rendelsmann, öffentlich vereidigte
Sachverständige für Reitplatzbau: ,Vliesböden
sind bei vielen Reitböden ein Problem, denn Vlies wird
genauso wie der Sand durch die mechanische Belastung der Pferdehufe
zu Staub zerrieben. Bei Wind fliegt das widerstandsfähige
Material in alle Richtungen, auch in die Lungen von Reiter und
Pferd, bei Regen kann es in den Boden und/oder in das Grundwasser
gelangen." Dreyer-Rendelsmann sieht im Einbau ungeprüfter
Materialien eine ,,tickende Zeitbombe". Heiner Kanowski,
Geschäftsführer des Oldenburger Verbandes seit 2010:
,,Der Verband prüft jetzt,ob die Baufirma ordentlich gearbeitet
hat." Für ihn steht fest. ,,Wenn der Platz nicht in
Ordnung ist, können keine Pferde drauf. Uns werden Pferde
von verschiedenen Besitzern anvertraut, wir müssen sicher
sein, dass der Boden o.k. ist." Im schlimmsten Fall kommen
auf denOldenburger Verband Entsorgungskosten in sechsstelliger
Höhe zu. Wer die tragen muss, darüber wird sicher
noch eine Weile zu diskutieren sein. (mit freundlicher
Genehmigung von St. Georg Pferdemagazin)
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